Die hedonistische Tretmühle – Ursachen und Abhilfe

Die hedonistische Tretmühle ist ein Begriff, der durch Untersuchungen in den 70er Jahren geprägt wurde. Er beschreibt ein unangenehmes Phänomen: Nach einer Verbesserung in unseren Lebensumständen, scheint unser subjektives Wohlbefinden zwar zuzunehmen, fällt danach aber wieder auf sein ursprüngliches Level zurück. Egal, ob materieller Besitz, Partnerschaften und Beruf – alle Bereiche des Lebens können betroffen sein. Aber muss das immer der Fall sein? Welche psychologischen Kräfte stecken dahinter? Und gibt es Möglichkeiten, um der Tretmühle zu entkommen?

Inhaltsverzeichnis

Mein eigener Kampf gegen die hedonistische Tretmühle

Ausbildung und Beruf

Es ist jetzt 20 Jahre her, dass ich Abitur gemacht habe. In meiner Erinnerung dauerte das Hochgefühl, das damit verbunden war, ewig an. Ich weiß noch, wie unglaublich man es fand, dass es tatsächlich geschafft war. Endlich frei und so weiter…

In Wirklichkeit hat sich vermutlich schon nach einigen Wochen ein Gefühl der Normalität eingestellt. Schließlich gab es jetzt neue Ziele.

Studium, gut bezahlter Job, Anerkennung.

Die üblichen Dinge, die man mit 19 Jahren so im Sinn hat. Dinge, denen man nachsagt, dass sie dein Leben verbessern werden, wenn du sie erreicht hast.

In den zwei Jahrzehnten nach dem Abitur gab es einige Ziele, die ich verfolgt und erreicht habe. Bezüglich meiner Gefühlswelt sind mir davon aber die beruflichen Meilensteine am besten in Erinnerung geblieben.

Nach dem Abitur bin ich noch viele Wochen auf einer Welle der Euphorie geritten. Das sah nach der Uni schon anders aus. Das Gefühl des Überschwangs hielt gerade noch die erste Nacht. Mit dem Kater am nächsten Tag wich im Grunde auch bereits das emotionale Hoch.

Wie konnte das sein?

Demgegenüber standen immerhin fast sechs Jahre der Mühe. Vor allem das letzte Jahr war geprägt von einem einzigen Mantra: „Ich will einfach nur noch, dass es rum ist.“

Und dennoch – kaum ein Effekt.

Vielleicht lag es daran, dass da noch der zweite Teil der Lehrerausbildung auf mich wartete: das Referendariat. Zwei weitere Jahre, die meiner Zufriedenheit noch im Weg stehen sollten. Dann aber…

Derselbe Druck, der sich aufbaute. Dasselbe Mantra. Und wieder derselbe Effekt.

Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, dass ich großartig gefeiert hätte. Obwohl ich eigentlich genau dort stand, wo ich die ganze Zeit unbedingt sein wollte. Selbst eine Planstelle und damit einen sicheren Job hatte ich schon in der Tasche.

Ein Tiefpunkt

Paradoxerweise fand ich mich ein paar Wochen nach Erreichen meines lang ersehnten Ziels emotional gesehen an einem völlig anderen Ort als erhofft wieder. Ich war nicht nur wenig euphorisch, sondern ständig unzufrieden mit meiner Situation. Fast schon depressiv. Irgendwie konnte ich mich nicht mit dem Ausbleiben einer Hochstimmung abfinden.

Anstatt mich darüber zu freuen, es geschafft zu haben, war ich schon wieder auf der Suche. Auf der Suche nach dem nächsten Ziel. Denn offensichtlich hatte ich vorher das falsche Ziel verfolgt. Sonst hätte mich die Zielumsetzung ja wohl zufriedener machen müssen. Dachte ich zumindest.

Ungeachtet der Tatsache, dass ich ein paar Wochen zuvor einfach nur noch fertig werden wollte, hatte ich tatsächlich schon in Erwägung gezogen, noch einmal studieren zu gehen. Den kompletten Tanz also zu wiederholen.

What the fuck???

Unterm Strich ist diese Anekdote nur ein Beispiel von vielen, in denen mich die hedonistische Tretmühle im Griff hatte. Und ich würde lügen, wenn ich behauptete, heute nicht mehr Gefahr zu laufen, ihr zum Opfer zu fallen.

Aber nach mehr als 20 Jahren Erfahrung, einer Menge Recherche und aktiver Auseinandersetzung, hat sie längst nicht mehr so viel Macht über mich.

Vielleicht hast auch du das Gefühl, ständig unzufrieden zu sein, obwohl du eigentlich froh sein könntest. Froh über das, was du bist oder hast.

Dann lohnt es sich, zu verstehen, welche Kräfte hier am Werk sind…

Was genau ist die hedonistische Tretmühle und warum macht sie unzufrieden?

In der Wissenschaft spricht man in der Regel von der hedonistischen Anpassung. Dahinter verbirgt sich folgender Zusammenhang:

Die hedonistische Anpassung ist ein psychologischer Prozess, durch den man sich an positive oder negative Reize gewöhnt. Infolgedessen wird der emotionale Effekt, den diese Reize haben, mit der Zeit schwächer.

Entsprechend ergibt sich hieraus für positive Reize, dass man nach einer gewissen Zeit unzufrieden mit dem ist, was man hat. Man ist also nicht mehr so glücklich mit seiner Situation, wie man es mal war. Aus diesem Grund begibt man sich auf die Suche nach neuen Reizen, die einem positive Emotionen und damit Zufriedenheit versprechen.

Die Reize, um die es dabei geht, sind Lebensumstände bzw. einmalige oder wiederkehrende Ereignisse. Dabei kann das komplette Spektrum an Dingen, nach denen Menschen klassischerweise streben, betroffen sein.

  • Besitztümer
  • Beziehungen
  • privater und beruflicher Erfolg
  • körperliche Attraktivität
  • Erlebnisse/Aktivitäten

Interessant ist, dass hier durchaus Unterschiede bestehen. Demzufolge tritt die Gewöhnung bei positiven Erfahrungen schneller ein als bei negativen (Lyubomirsky, 2010). Außerdem gewöhnt sich nicht jeder Mensch in selbem Maße an einen gegebenen Reiz (Diener et al., 2006).

Daraus ergeben sich drei Konsequenzen:

  • Negative Reize haben mehr Macht über uns als positive.
  • Die Erfahrungen von Person X kann Person Y nur bedingt auf sich übertragen.
  • Die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema können für den Individualfall stark daneben liegen.

Der Umgang mit negativen Erfahrungen ist eine eigene Baustelle. Daher soll es im Folgenden nur um die Gewöhnung an positive Umstände gehen.

Gibt es wissenschaftliche Belege für die hedonistische Tretmühle?

Die Klassiker – Untersuchungen von Easterlin und Brickman

Wärst du zufriedener in deinem Leben, wenn du im Lotto gewinnen würdest? Die meisten Menschen würden vermutlich annehmen, dass dem so wäre.

In einer der wohl am meisten zitierten Untersuchungen zu diesem Thema, kam heraus, dass zu dieser Annahme kein Anlass besteht (Brickman, Coates & Janoff-Bulman, 1978). Die Autoren kamen dabei zu dem Ergebnis, dass Lotto-Gewinner nicht glücklicher waren als die Kontrollpersonen, mit denen sie verglichen wurden. Brickman & Co prägten damit den Begriff der hedonistischen Tretmühle.

Eine ähnliche Erkenntnis ist als das „Easterlin-Paradox“ bekannt. Demnach hat sich z.B. in den USA der Nachkriegsjahre die finanzielle Situation für die Bevölkerung stark verbessert. Indikatoren für das subjektive Wohlbefinden aber nicht (Easterlin, 1974).

Vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten gab es Bemühungen, diese klassischen Studienergebnisse zu reproduzieren und die Erkenntnisse zu verfeinern.

Jüngere Studien

Einige Feststellungen der letzten Jahrzehnte haben z.T. zu einer Abmilderung der ursprünglichen Ideen geführt. Wie erwähnt, ist z.B. nicht jeder Lebensumstand von den genannten Tretmühleneffekten gleichermaßen betroffen. Darüber hinaus gewöhnt sich nicht jeder Mensch mit derselben Geschwindigkeit und demselben Ausmaß an eine Veränderung.

Im Allgemeinen versuchen Studien, die sich mit dem Effekt befassen, die folgenden Fragen zu beantworten:

Nehmen die Lebenszufriedenheit und positive Gefühle nach einer wichtigen Veränderung zu? Wenn ja, wie stark nimmt beides danach wieder ab?

An die entsprechenden Daten kommt man schwierig heran. Denn dazu wäre es gut, von den teilnehmenden Personen vor der Veränderung, während der Veränderung bzw. kurz danach und am besten noch in gewissen weiteren Zeitabständen Informationen einzuholen. Wir sprechen also mindestens von vielen Wochen oder Monaten, im besten Fall aber von Jahren, die man die Menschen begleitet hat.

Im Durchschnitt wurde bei solchen Untersuchungen gezeigt, dass der Zunahme des Wohlbefindens nach einer wichtigen positiven Veränderung tatsächlich eine erhebliche Abnahme folgt.

Anders gesagt: durchschnittlich landet man in der Regel wieder dort, wo man angefangen hat.

Für folgende Faktoren konnte solch ein Verlauf gezeigt werden:

  • Faktor Geld: Zunahme im Haushaltseinkommen (Di Tella et al., 2010)
  • Faktor Beziehungen: Heirat (Lucas et al., 2003)
  • Faktor Job: Beförderung (Boswell, 2005)

Auch zum Thema Abnehmen liegen Erkenntnisse vor. Hier sieht es im Großen und Ganzen sogar eher so aus, als bestünde die Gefahr, sich nach dieser Form von Veränderung schlechter zu fühlen als davor. Die Ergebnisse hierzu stammen allerdings aus relativ alten Bevölkerungsgruppen. Sie sind daher vermutlich nur bedingt gültig.

Die hedonistische Tretmühle scheint also die Dinge zu betreffen, denen wir klassischerweise hinterherrennen. Faktoren, von denen wir uns versprechen, dass sie unser Leben besser machen.

Wie und warum gerät man in die hedonistische Tretmühle?

Das „Wie“ der hedonistischen Tretmühle

Es lassen sich zwei Faktoren benennen, die man als Ursache der hedonistischen Tretmühle diskutiert. Beide münden in einem Modell, das zur Prävention des Tretmühleneffektes entwickelt wurde.

Faktor #1: Aufmerksamkeit

Nobelpreisträger und Bestseller-Autor Daniel Kahneman drückt es folgendermaßen aus:

Der Entzug von Aufmerksamkeit ist der Hauptmechanismus für die Anpassung an Veränderungen im Leben (Kahneman & Thaler, 2006).

Demgemäß haben wir uns an Dinge, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken, noch nicht gewöhnt. Von solchen Umständen können wir also erwarten, dass sie eine emotionale Reaktion hervorrufen.

Aber was erregt unsere Aufmerksamkeit?

Kahneman nennt hier „Neuigkeit“ als entscheidenden Faktor. Das bedeutet im Klartext:

Wir sind neuen Erfahrungen gegenüber aufmerksamer als gleichbleibenden Bedingungen. Dadurch lösen sie in uns stärkere Emotionen aus.

Flussdiagramm, das den Zusammenhang von Veränderungen, Aufmerksamkeit und Emotionen beschreibt

Mit der Zeit verliert eine Veränderung aber ihren Neuigkeitsfaktor und steht damit nicht mehr im Fokus unserer Aufmerksamkeit. Andere Aspekte des Alltags konkurrieren um unser Interesse. Entsprechend tritt der neue Zustand in den Hintergrund unserer Wahrnehmung. Er ist jetzt zur Normalität geworden.

Ergänzend nennen Wilson und Gilbert (2008) die Faktoren Überraschung, Variabilität und Unsicherheit als treibende Kräfte, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Ihrer Ansicht nach erzeugen all diese Qualitäten einen Zustand von Unverständnis in uns. Infolgedessen schenken wir ihren Auslösern so lange unsere Aufmerksamkeit, bis wir sie erklären können.

Abschließend kann man das also so zusammenfassen:

Gleichbleibende Bedingungen, die uns nicht überraschen und deren Hintergründe uns klar sind, verlieren wir aus dem Fokus unserer Aufmerksamkeit. Dadurch erzeugen sie in uns keine starken Emotionen mehr.

Faktor #2: Anspruchsdenken

Ebenfalls von Kahneman (1999) stammt eine weitere Überlegung zu der Frage, was unsere Unzufriedenheit vorantreibt. Später hat er sich von dieser Idee allerdings wieder distanziert. Sie wurde von anderen Wissenschaftlern aber aufgegriffen (Sheldon & Lyubomirsky, 2012) und bleibt daher von Bedeutung, wie wir später sehen werden.

Sinngemäß verbirgt sich dahinter Folgendes:

Ob wir durch eine Veränderung Freude empfinden, hängt davon ab, welche Erwartungen wir haben.

Demnach stehen hier unsere Gedanken im Mittelpunkt. Wir beurteilen eine Veränderung immer im Verhältnis zu dem, was wir gerade haben – nicht nach absoluten Maßstäben. Ob uns eine Veränderung glücklicher und zufriedener macht, hängt also von unserem Ist-Zustand ab. Wenn der neue Zustand eine Verbesserung darstellt, dann empfinden wir eine Befriedigung.

Wenn eine neue Situation eintritt, die einen Anstieg positiver Stimmungen verursacht, dann schaffen wir damit einen neuen Ist-Zustand. Jede weitere Veränderung muss sich nun an diesem neuen Zustand messen. Unsere Ansprüche sind also gewachsen.

Dementsprechend kann eine Erfahrung, die uns noch vor einiger Zeit in Hochstimmung versetzt hat, nun nicht mehr punkten. Wir streben jetzt nach etwas Besserem, Neuerem, Schönerem.

Man geht hier also nicht davon aus, dass man sich an die Gefühle gewöhnt, die eine Erfahrung in uns auslöst. Vielmehr heißt es, dass man anfängt anders über diese Erfahrung zu denken.

Diagramm zum Zusammenhang zwischen positiven Erfahrungen, Anspruch und Zeit

Der Effekt lässt sich z.B. anhand von Einkommensvorstellungen zeigen (van Praag & Frijters, 1999). Wenn wir wissen möchten, welches Einkommen ein Mensch gerne hätte, dann müssen wir ihn nur fragen, wie viel er momentan verdient. Seine Wünsche werden in der Regel etwas über dem liegen, was er gerade hat.

Die Untersuchung von van Praag & Frijters lässt sich sogar in Zahlen ausdrücken:

Für jeden Dollar, den Menschen zusätzlich verdienen, wünschen sie sich, sie hätten einen Dollar und vierzig Cent bekommen.

Das „Warum“ der hedonistischen Tretmühle

Stell dir Folgendes vor:

Du hast gerade die Zusage für deinen absoluten Traumjob erhalten. Du wurdest als einzige Person aus fast 100 Bewerbungen ausgewählt. Es geht um eine Position, die ein hohes Maß an Qualifikation und die Übernahme von großer Verantwortung verlangt.

Unmittelbar nach Erhalt der Nachricht überschlagen sich deine Gedanken und Gefühle. Du bist euphorisch, deine Atemfrequenz ist erhöht und dir wird ganz warm vor Freude. Du hast das dringende Bedürfnis, herumzuspringen und zu jubeln. Was gerade um dich herum passiert, nimmst du kaum wahr.

Nun stell dir deinen ersten Arbeitstag vor. Wäre dein emotionaler Zustand jetzt noch derselbe, wie kurz nach Erhalt der Zusage, so würdest du vermutlich keinen besonders guten Eindruck hinterlassen. Wir sind nicht in der Lage, im Rausch unserer Emotionen durch die Welt zu tanzen und gleichzeitig einer komplexen Aufgabe nachzugehen.

Unsere Umwelt auszuwerten und wichtige Entscheidungen zu treffen, bedarf unserer Aufmerksamkeit. Folglich müssen wir uns an Reize gewöhnen, um handlungsfähig zu bleiben.

Ohne diesen Mechanismus wären wir ständig von unseren Gefühlen überwältigt. Dadurch könnten wir neuen Herausforderungen und Möglichkeiten nicht angemessen begegnen (Lyubomirsky, 2010).

Anders ausgedrückt ist die hedonistische Tretmühle ein biopsychologisches Sicherheitssystem. Das obige Beispiel könnte man demnach auf unsere Vorfahren in der Steppe übertragen.

Nehmen wir an, ein Urmensch hat erfolgreich ein großes Tier erlegt und seiner Sippe das Überleben für den nächsten Monat gesichert. Hätte er sich wegen des Jagderfolgs nicht mehr eingekriegt und wäre fortan nur noch jubelnd durch die Wildnis gesprungen, hätte dies unangenehme Folgen haben können. Er hätte vielleicht Gefahren übersehen, weitere Möglichkeiten zum Nahrungserwerb ignoriert oder die Chance für gewinnbringende soziale Interaktionen verpasst.

Was du gegen die hedonistische Tretmühle tun musst: das HAP-Modell

Mangelnde Aufmerksamkeit und steigender Anspruch sind die Ursachen, die unsere Unzufriedenheit antreiben – zumindest in der Theorie.

Demnach müsste man einerseits dafür sorgen, neue Gegebenheiten nicht mehr aus dem Fokus seiner Aufmerksamkeit zu verlieren. Andererseits sollte man versuchen, seine Ansprüche an Erlebnisse und Besitztümer auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten.

Wie wir gesehen haben, beruht die Abnahme der Aufmerksamkeit für eine positive Veränderung auf einem Mangel an Neuartigkeit. Die Zunahme des eigenen Anspruchs wiederum, ist in mangelnder Anerkennung für das, was man hat, begründet.

Folgerichtig wurde ein Modell entwickelt, das diese Überlegungen widerspiegelt: das Hedonic-Adaptation-Prevention-Modell (Sheldon & Lyubomirsky, 2012).

Das HAP-Modell als Schutz gegen die hedonistische Tretmühle

Demnach gibt es zwei Möglichkeiten, mit geeigneten Interventionen dafür zu sorgen, dass man länger von einem Anstieg im Wohlbefinden nach einer Veränderung profitiert.

Erstens sollte man sich darum bemühen, den Anstieg der eigenen Ansprüche nach diesem Ereignis zu dämpfen (Interventionen A). Zweitens sollte man versuchen, die erlebten positiven Emotionen nach einem positiven Ereignis länger aufrechtzuhalten (Interventionen B).

Wertschätzung

Ein Heilmittel für ungesunde Ansprüche besteht in einer gedanklichen Auseinandersetzung damit. Dinge wertzuschätzen, heißt im Grunde, in einen inneren Dialog zu treten. Wenn man es schafft, sich regelmäßig daran zu erinnern, was man alles hat (und nicht, was einem noch fehlt), dann sollte das die Wahrscheinlichkeit für wachsende Ansprüche senken.

Hier liegt aber wohl die schwierigere Aufgabe verborgen. Seine Gedanken zu beeinflussen, indem man sich einfach sagt, dass man seine Gedanken von nun an kontrollieren wird, ist in der Regel zum Scheitern verurteilt.

Aber hier sind drei Dinge, die du tun kannst:

  • Meide Situationen, die einen sozialen Vergleich provozieren.
  • Hinterfrage deine Ziele und Vorhaben regelmäßig.
  • Mach es zur Gewohnheit, kurz innezuhalten und dankbar zu sein, für die Dinge, die du hast.

Abwechslung

Einerseits sollte eine neue Erfahrung oder Bedingung uns die Möglichkeit bieten in mehr als nur einer Art und Weise erlebt bzw. genutzt zu werden. Außerdem sollte man eine Vielzahl von Umständen und Aktivitäten bereitstellen.

Demnach verlangt uns diese Stellschraube eine gewisse Kreativität ab. Nur so können wir für Abwechslung und Vielfalt sorgen. Die positiven Emotionen, die damit in Verbindung stehen, sollten dadurch länger anhalten. Dementsprechend könnte man erwarten, insgesamt zufriedener zu sein.

Je seltener man dem exakt gleichen Reiz ausgesetzt ist, desto geringer ist der Abnutzungseffekt.

Auch, was unsere Ansprüche und Sehnsüchte angeht, soll sich hierdurch ein positiver Effekt einstellen. Je abwechslungsreicher die Natur einer neuen Situation, desto unwahrscheinlicher ist es, dass man nach anderen Dingen strebt.

Betrachten wir ein Beispiel aus dem Bereich Sport, um uns das zu verdeutlichen.

Ich könnte mir überlegen, Krafttraining zu machen und fünf Tage die Woche Kniebeugen trainieren. Jede Woche, Jahr ein Jahr aus. Ich würde meine Sehnen, Bänder und Gelenke dadurch regelmäßig mit derselben Bewegung strapazieren und mich schnell langweilen. Belastungserscheinungen und Unlust wären vorprogrammiert. Klüger wäre es, hier Abwechslung reinzubringen und die Häufigkeit an gleichbleibenden Reizen zu verringern.

Zunächst sollte ich nicht an fünf Tagen dasselbe Programm machen, sondern vielleicht nur an zwei oder drei. Weiterhin könnte ich andere Übungen einbauen, die ebenfalls die Beine trainieren, sodass ich nur einmal pro Woche dieselben Bewegungsabläufe wiederhole. Zusätzlich könnte ich Wochen einlegen, in denen ich mich auf andere Muskelgruppen konzentriere und mich nur einmal pro Woche mit Beintraining beschäftige.

Die Aktivität „Krafttraining“ bleibt dabei stets dieselbe. Aber durch unterschiedliche Varianten sorge ich für Abwechslung und habe länger Spaß daran.

Fazit

Die hedonistische Tretmühle ist vermutlich für viele Menschen ein Faktor, der ihr subjektives Wohlbefinden negativ beeinflusst. Ob und in welchen Lebensbereichen das für dich der Fall ist, musst du selbst herausfinden.

Haben sich für verschiedene Domänen deines Lebens die Bedingungen immer wieder verbessert und du bist trotzdem ständig auf der Suche nach Optimierung? Fällt es dir schwer, deine Erfolge anzuerkennen und zu genießen? Hast du das Gefühl, in einem Hamsterrad deiner eigenen Erwartungen gegen die Zeit anzutreten?

Dann ist es vielleicht angeraten, die Zeichen zu erkennen. Begib dich auf die Suche nach individuellen Strategien im Sinne des HAP-Modells, mit denen du der Tretmühle entkommst. Sei es auch nur ein bisschen.

Mach am besten direkt den ersten Schritt!

Notiere dir einen Lebensbereich, in dem du dazu tendierst, unentwegt nach Verbesserungen zu streben. Schreibe dir anschließend auf, was du in diesem Bereich bereits alles hast oder kannst. Anstatt nun zu überlegen, was du hier noch besser können möchtest oder haben könntest, lege eine weitere Liste an. Dort notierst du dir, welche Möglichkeiten es gibt, um dein Können oder deinen Besitz in diesem Bereich auf andere Arten einzusetzen. Welche Varianten gibt es, die du noch nicht kennst oder probiert hast? Von hier aus gilt es, zu experimentieren und deine Strategien auszubauen.

  • Titelbilld: canva.com
  • Abb. 1-3: eigene Darstellungen
  • Abb. 4: angelehnt an Lyubomirsky & Sheldon, 2012, Abb. 1
  • Boswell, Wendy & Boudreau, John & Tichy, Jan. (2005). The Relationship Between Employee Job Change and Job Satisfaction: The Honeymoon-Hangover Effect. The Journal of applied psychology. 90. 882-92. 10.1037/0021-9010.90.5.882.
  • Brickman, Philip & Coates, Dan & Janoff-Bulman, Ronnie. (1978). Lottery Winners and Accident Victims: Is Happiness Relative? Journal of personality and social psychology. 36. 917-27. 10.1037/0022-3514.36.8.917.
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